Mutige Führung

Verena Kiy, Mutige Führung

Kurzzusammenfassung:

Führung hat sich über Generationen hinweg in Unternehmen vererbt und ist damit weder besser noch zeitgemäßer geworden. Was ist es dann, was eine zeitgemäße Führung braucht? Und was bedeutet „Mutige Führung“ in einer Welt, die im permanenten Wandel ist und zukünftig auch immer sein wird?  Verena Kiy, Referentin beim Erfolgreichen Contactcenter 2020 gibt Antworten auf diese Fragen.

Wenn ich heute über „Mutige Führung“ referiere, dann meine ich nicht zwangsläufig den Mut, den Sie jetzt vielleicht im Kopf haben. Oder vielleicht doch? Auf Wikipedia wird Mut jedenfalls so erklärt: „Mut, auch Wagemut oder Beherztheit, bedeutet, dass man sich traut und fähig ist, etwas zu wagen, das heißt, sich beispielsweise in eine gefahrenhaltige, mit Unsicherheiten verbundene Situation zu bege-ben. „So weit so nachvollziehbar, doch was hat „Mut“ dann im Bereich der Führung, im Leadership zu suchen? Aus meiner Sicht braucht es mehr Führungskräfte, die den Mut haben, ihren ganz persönlichen Führungsstil zu finden und entsprechend einzusetzen. Denn was finden wir heute in Unternehmen noch immer vor?

■ Führungskräfte, die es irgendwann einmal geworden sind, weil es die einzige Möglichkeit war, Karriere zu machen.“
■ Führungskräfte, die sich gerne mit dem Titel schmücken, weil für sie Status und Macht ein ganz klares Motiv ist.
■ Führungskräfte, die im Grunde hervorragende Spezialisten sind, die aber Führungsarbeit und damit die konsequente Arbeit mit Menschen über allen Maßen anstrengt.
■ Führungskräfte, die aufgrund der Aufgabenvielfalt, des Tagesgeschäfts und mangelnder Unterstüt-zung ihrer Vorgesetzten überlastet sind.
■ Und dann sind da noch die Führungskräfte, die über das Potenzial verfügen, eine herausragende und zeitgemäße Führungskraft zu sein. Doch dieses Potenzial kann sich gar nicht oder nur langsam entfalten, weil alte Unternehmensstrukturen dafür nicht die entsprechende Voraussetzung bieten. Das Ergebnis: sowohl frustrierte Führungskräfte als auch Mitarbeiter. Genau an dieser Stelle greift meine etwas provokante These, dass Führung sich vererbt. Doch ich denke, sie verstehen, worauf ich hinaus möchte.

Die „alten Hasen“ haben es schwer

Wir kommen aus einer Unternehmenswelt, in der Führung über Jahrzehnte hierarchisch, patriarchisch geprägt war. Es ging um die Gesamtleistung und die Ergebnisorientierung eines Unternehmens, Gewinnoptimierung und Wettbewerbsfähigkeit. Verstehen Sie mich nicht falsch, darum geht es auch heute noch. Allerdings ist die Zukunft nicht mehr so planbar wie noch vor einigen Jahren oder Jahrzehnten. Wir befinden uns in einer Welt des ständigen Wandels. Was heute noch aktuell und Maßstab war, ist schon morgen hinfällig. Wir können unsere Zukunft nicht mehr vorausschauend planen. Weder beruflich noch privat. Hinzu kommen Tausende von neuen Möglichkeiten, die uns Menschen geboten werden. Diese neue Welt, stellt den Menschen, das Individuum in den Vordergrund. Das bedeutet, wir müssen uns diesen Veränderungen stellen, Dienstleistungsbereitschaft gewinnt nochmal mehr an Bedeutung, neue Generationen zeigen uns „alten“ Hasen, wie die neue, digitalisierte Welt funktionieren wird. Wenn sich also die Welt um uns herum derart stark verändert, müssen sich dann nicht auch Unternehmen und grade Führungskräfte aller Ebenen verändern? Sind das nicht die Positionen in Unternehmen, die Wandel vorantreiben, innovativ denken, Change als das neue Normal ansehen? Sind es nicht Führungskräfte, die verstehen, wie absolut essenziell die Ressource Mensch ist und dass es unerlässlich ist, Vielfalt zu schätzen?

TIPPS FÜR ZEITGEMÄSSE FÜHRUNG

Seien Sie die Führungskraft, die Sie wirklich sein möchten unabhängig davon, was Ihnen andere vorleben. Dies gelingt Ihnen, wenn Sie Folgendes beherzigen: Haben Sie den Mut, alte „Regeln“ zu brechen! Stellen Sie Integrität, Glaubwürdigkeit und Klarheit in den Fokus! Zeigen Sie echtes Interesse an Ihren Mitarbeitern! Entwickeln Sie gemeinsam mit Ihrem Team eine Vision! Fördern Sie Eigenverantwortung und Kreativität! Handeln Sie integer! Überprüfen Sie immer wieder sich und Ihre innere Haltung! Geben Sie Orientierung! Inspirieren und Fördern Sie! Kommen Sie vom ICH zum WIR! Verhalten Sie sich wertschätzend Ihrem Team gegenüber!

Verantwortung für alle Beteiligten

Wenn ich über Mutige Führung spreche oder schreibe, dann ist es mein hehres Ziel, die Führungswelt jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. Führungskräften aufzuzeigen, auf was es wirklich ankommt und ihnen Mut zu machen, die Führungskraft zu werden, die bereits in ihnen steckt. Fakt ist, dass sich jeder von Ihnen, der Führungskraft geworden ist, immer wieder klarmacht, dass er damit die Verantwortung für Menschen übernommen hat. Aber auch die Verantwortung für sein eigenes Tun und Handeln. Entscheidungen zu treffen, Fehler zu machen und vielleicht auch einmal zu scheitern. Und wenn das die Entscheidungsgrundlage war, Führungskraft zu werden, dann ist es Ihre Verpflichtung, genau das zu tun. Sie selbst entscheiden jeden Tag darüber, wie Sie mit Ihren Menschen, Ihrem Team umgehen wollen. Sie können jeden Tag darüber entscheiden, wohlwollendes und offenes Feedback zu geben. Darüber hinaus, Ihre Mitarbeiter anzuleiten und sie zu befähigen, das Beste aus sich heraus zu holen. Klares und transparentes Kommunizieren gehört da ebenfalls dazu. Anstatt sich darüber auszulassen, dass der eine oder andere Mitarbeiter nicht die Leistung erbringt, die Sie sich vorstellen, können Sie eine neue Denkweise zu Ihren Mitarbeitern für sich etablieren. „Jeder ist eine 10!“ – heißt, dass jeder in Ihrem Team und auch Ihrer Kollegen erst einmal eine 10 ist. Dass jeder Einzelne, der in Ihrem Team mitarbeitet, die Leistung erbringt, die er erbringen kann. So, wie es ihm aufgrund seiner Stärken und Eigenschaften eben möglich ist. Das alles und noch vieles mehr erfordert großen Mut in Ihrer Führungsarbeit. Vor allem dann, wenn gefühlt all das, was Sie gerne ändern möchten, gegen die vorhandene Unternehmenskultur spricht. Es erfordert großen Mut, sich darüber hinweg zu setzen und jeden Tag mehr die Führungskraft zu werden, die schon so lange in Ihnen steckt. Es erfordert Mut, sich über Gebaren, die im „eigenen“ Unternehmen vielleicht üblich sind, hinweg zu setzen. Mut, klare Entscheidungen zu treffen. Mut, Nahbarkeit und Verletzlichkeit zu zulassen. Rollenvielfalt zu leben und das Team neu auszurichten, Mitarbeiter nach Ihren Stärken und Fähigkeiten ein zusetzen. Es erfordert Mut, transparent zu kommunizieren, sich wie ein Fels in der Brandung für seine Mitarbeiter einzusetzen. Es braucht Ihren Mut und Ihre Fähigkeiten, auch unbürokratische Themen zu besprechen und auf die Straße zu bringen. Darüber hinaus Sinn zu stiften und Innovation zu fördern.

Gute Führung bedeutet Arbeit

Jetzt werden Sie (hoffentlich) denken: Das alles hört sich unbedingt richtig an. Nur wie soll ich all das umsetzen? Keiner hat gesagt, dass Führung einfach ist und von heute auf morgen hervorragend funktioniert. Es bedeutet Arbeit. Arbeit an sich selbst. Ein hohes Maß an Selbstreflexion und es bedarf einer klaren inneren Haltung. Und ganz ehrlich? Wenn Ihnen das zu viel ist oder Sie diese Position eigentlich nie haben wollten, dann haben Sie bitte auch den Mut, zurück zu treten, Platz zu machen. Das wäre richtig und fair– für alle die, deren Passion es ist, Menschen zu führen. Sollten Sie zu den Führungskräften gehören, denen diese Position aus gesellschaftlichem Prestige und/oder einem Macht und Status Gedanken her wichtig ist, dann darf ich Ihnen sagen: Sie sind wahrscheinlich nicht der Richtige auf dieser Position. Es ist schon längst an der Zeit, dass Führung sich verändern MUSS. Hin zu Menschenorientierung weg von Status, Macht oder patriarchischer Führung. Und auch wenn Sie das große Rad nicht drehen können, Sie können es jeden Tag im Kleinen und damit die Führung für Sie und Ihre Mitarbeiter ein Stückchen besser machen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg, Mut und Freude bei einer der schönsten Positionen, die Sie innehaben können. Wenn Sie Menschen mögen, wenn Sie uneingeschränkt bereit sind und an sich arbeiten

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